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39. Bundesfachtagung der femak: Einkauf unter neuen Marktbedingungen

(April 2023) Die 39. Bundesfachtagung der femak e. V. tagte im März 2023 in Rotenburg/Fulda mit einem neuen Teilnehmerrekord: Über 160 Interessierte, mehr als im Jahr 2022, trafen sich zum Austausch über wichtige Themen im Bereich Einkauf und Logistik.

Unter dem Motto ‚Der Einkauf unter neuen Marktbedingungen – zwischen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Ökonomie“ widmeten sich gleich zwei Keynotes den drängenden Themen der Branche.

Dr. Maximilian Jungmann, Gründer und Geschäftsführer von Momentum Novum, beschrieb in seinem Vortrag aus Sicht der Politikwissenschaft die globalen Wahrnehmungsmuster und Anpassungsmaßnahmen von zahlreichen Ländern an klimawandelbedingte Gesundheitsrisiken. Der Druck auf die Gesundheitssysteme sei hoch, weshalb es sich schwierig gestalte, zum einen Kosten zu sparen, zum anderen aber Ausgaben für nachhaltige Produkte bereitzuhalten. Hier helfe nur eine Strategie. Die Transformation gelinge beispielsweise über Green Teams, Coaching und konkretes Handeln, um die 16 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu erreichen.

Die Nachhaltigkeitsbeauftragte Tabea Bickel widmete sich dem praxisorientierten Teil im Krankenhaus, indem sie darstellte, wie die Isarkliniken GmbH in München das Thema Nachhaltigkeit angeht: mit vielfältigen Umsetzungen, realen Alltagsthemen und top Erfolgen. Die ökozertifizierte Klinik fängt damit bereits beim Einkauf an, hier werden etwa Recyclingmaterialien und ökologische Putzmittel genutzt, daneben steht ein intelligentes Energie- und Wassermanagement im Fokus. Wichtig ist das Vermeiden und Einsparen von Verbrauchsmaterialien wie Wasser, Strom, Büroartikeln, Papier usw. Regionale Produkte erhalten den Vorzug, insbesondere zur Verpflegung; auch Innovation und Zusammenarbeit sind hier keine Zauberworte. Durch das Erreichen messbarer Kennziele und mit Hilfe eines Nachhaltigkeitsberichts werden alle Maßnahmen festgehalten, die Mitarbeitenden sind sogar dazu aufgerufen, sich mit Ideen und Vorschlägen zu beteiligen.

Die Aussagen seiner Kollegin bestätigte Andreas Wolf, stellvertretender Verwaltungsleiter der Isar Kliniken, er stellte zudem die Preisstabilität in der Krankenhausverpflegung durch regionale und Bio-Produkte dar. Durch eine Mischung mit Lieferanten wie „Querfeld“ – der u.a. krummes Gemüse liefert und so vor dem Wegwerfen bewahrt – und anderen Anbietern ergibt sich ein guter Preismix. So hält die Klinik eine Speisekarte mit circa 40 Gerichten täglich bereit (allerdings nur für den PKV-Bereich), alle Lebensmittel sind Bioware. Jährlich erfolgen Bio-Audits.

Bereits zum dritten Mal wurde der femak Start-up-Pitch ausgelobt: Drei Unternehmen durften ihre Visionen für bessere Lösungen im Gesundheitswesen präsentieren. Das Fachpublikum kürte einen Gewinner, alle drei Start-ups erhielten eine Auszeichnung von
Moderator Fabian Ruch: Julian Stolzenbach / IntensivKontakt, Magali Heinkel / Cliniserve und Alexander Kraus / myoncare. IntensivKontakt ermöglicht mit Hilfe von iPads die Kommunikation zwischen Angehörigen und Menschen, die stationär in Kliniken untergebracht sind. Dies entlastet die Patient:innen und das medizinische Personal. Cliniserve hat verschiedene Softwarelösungen für eine bessere Pflege entwickelt: Über digitale Kommunikation werden Pflegekräfte entlastet, zum einen über das digitale Aufgabenmanagement „CARE“, zum anderen über das nachhaltige Ausfallmanagement „TEAM“.  Myoncare hält eine digitale Gesundheitsplattform bereit und ist bereits in vielen Ländern der Welt etabliert: Sie bieten automatisierte Unterstützung entlang der kompletten Gesundheitsreise – patient journey – über digitale Behandlungspfade.

Zum „Lieferkettengesetz; ESG & Risikomanagement: eine sinnvolle Kombination“ referierte Jan-Henner Theißen von targetP! Der Kaufmann und Experte für Transformation und Risiko stellte dem Fachpublikum vor, wie er mit seinem Team Einkaufsorganisationen bei verschiedenen Projekten und bei der Digitalisierung von Prozessen sowie Liefernetzwerken begleitet. Dabei unterstrich er die Wichtigkeit und Bedeutung des Risikomanagement sowie die Notwendigkeiten von Umsetzungen in Bezug auf das Lieferkettengesetz und weiterer Gesetze und Pläne.

Ein Highlight für alle Anwesenden war der Vortrag von Schwimmstar Michael Groß. Der „Albatros“ konnte in seiner Karriere 21 Titel bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften einschwimmen. Heute arbeitet er als Dozent, Redner und selbstständiger Unternehmer. Sein Mittel zum Erfolg war und ist die Fokussierung auf wichtige Ereignisse, und dazu gehört beispielsweise, das Smartphone auszuschalten, wenn er vorträgt. Für seine Tätigkeiten setzt er sich immer neue Quartalsziele und in seinem Vortrag verglich er das Leben mit einem Haus. Überall gibt es verschiedene Phasen, die sich abwechseln, man muss sich immer wieder anpassen. Verzweifeln darf man nicht, denn oft liegen Erfolg und Niederlage nah beieinander. Die Verben „wollen“ und „können“ spielen nicht nur für Groß eine wichtige Rolle.

In den Paneldiskussionen „Versorgungssicherheit in schwierigen Zeiten aus verschiedenen Perspektiven“ und „Prozeduren-Benchmark als Teil eines gesamtheitlichen Sachkostencontrolling“ diskutierten die Teilnehmenden Best-Practice-Lösungen, angereichert mit vielen inhaltlichen Fragen aus dem Publikum. Der Austausch mit den Fachleuten und direkte Antworten auf Nachfragen brachte nachhaltige Ergebnisse. So geht aktiver Dialog!

Die abschließende zusammenfassende Diskussionsrunde ergab: Einkaufsgemeinschaften gehören seit über drei Jahrzehnten zu den Marktteilnehmern im Gesundheitswesen. Aufgrund der aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen bezogen sich diverse Fragen auf dem Mehrwert von Einkaufsgemeinschaften und deren strategischer Ausrichtung. Die reine Beschaffung von Medtech- und Pharma-Produkten ist nur ein Teil der Erwartungshaltung der Kliniken. Alle teilnehmenden Einkaufsgemeinschaften beantworteten die direkten Fragen des Moderators und des Publikums; so konnte die Tagung erfolgreich und mit viel Zustimmung abgeschlossen werden.

Im Jahr 2024 wird die 40. Bundesfachtagung am 11. und 12. März an einem neuen Ort in München stattfinden, genauere Infos gibt es auf der Webseite.

Quelle Text und Bild: Mirjam Bauer

 

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