„Brücken bauen“ mit medizinischem Informationsmanagement

DVMD Publikum Zuhörer(April 2019) Im März fand die 15. Fachtagung des Fachverbandes für Dokumentation und Informationsmanagement in der Medizin (DVMD) e. V. in Düsseldorf statt. Mehr als 170 engagierte Dokumentare und Informationsmanager aus unterschiedlichen Anwendungsgebieten sowie Vertreter benachbarter Disziplinen kamen über zwei Tage zusammen – um sich auszutauschen, Forschungsergebnisse zu diskutieren, sich weiterzubilden und einen Blick in verwandte Fachgebiete zu werfen.

Die Vorsitzende Annett Müller stellte das DVMD-Positionspapier zur Stärkung der Ausbildung im medizinischen Informationsmanagement vor. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der schulisch-betrieblichen Ausbildung. Der Verband setzt sich für die Anerkennung der Ausbildungen als Abschlüsse für Gesundheitsberufe sowie für finanzielle Anreize im Sinne einer Ausbildungsvergütung ein. Zudem hält der DVMD die Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMI MedDok) für überarbeitenswert und hofft bei den Rahmenbedingungen auf Anreize für Ausbildungsbetriebe sowie eine Eingruppierung in Tarifverträge.

Die Tagungsagenda enthielt eine Vielfalt an Vorträgen, Workshops und Keynotes zu Themen wie Klinischer Forschung/Dokumentation, Tumordokumentation und Krebsregistern, Daten- und Qualitätsmanagement, Risikobasiertes Monitoring, Weiterentwicklung der Klinischen Dokumentenliste KDL zum Matchen von Dokumenttypen, ICD-11, Versorgungsforschung, Zusammenarbeit mit dem MDK, Prozessunterstützung durch IT-Systeme und ein neues Format „Meet the Experts“.

Die Keynotesprecherin Prof. Dr. Antonia Zapf vom Hamburger Uniklinikum Eppendorf erklärte, wie durch interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Informationsmanagern und Biometrikern valide Studienergebnisse entstehen. Mit dem Vergleich zweier Therapien der Gallensteinentzündung stellte sie heraus, in welchen Bereichen sich die beiden Disziplinen überschneiden und verzahnen. „Brücken bauen“ – so das Tagungsmotto – bedeutet laut Prof. Zapf, die Kernkompetenzen anderer sowie seine eigenen Verantwortlichkeiten und Aufgaben zu kennen, um gemeinsam bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Dr. Claudia Ose, Studiengangleiterin Medizinisches Informationsmanagement bei der Fliedner Fachhochschule Düsseldorf setzt sich für das Risikobasierte Monitoring (RBM) bzw. dessen Qualitätsmanagement ein. Vor, während und zum Abschluss von Studien ist RBM dringend notwendig, so die Expertin. Es gibt zwar viele Vorgaben (FDA, EMA etc), die allerdings nicht konkretisiert vorliegen. Sponsoren sollten RBM durchführen, jedoch für jede einzelne Studie vorab überlegen, was die Fallstricke sein könnten, die die Datenqualität und Sicherheit gefährden könnten oder in Rechte der Patienten eingreifen. Genau dies ist die Aufgabe der Informationsmanager: Das RBM darf nicht als einzelner Prozess gesehen werden, erläuterte Dr. Ose, sondern als Zusammenspiel zwischen Monitoring, Datenmanagement, Projektmanagement und Biometrie.

 

Der Weiterentwicklung der Klinischen (früher: „Konsolidierten“) Dokumententypliste, die der DVMD in Richtung eines allgemein verfügbaren Klassifikationssystems für die vielfältigen Dokumententypbenennungen in Krankenhäusern, zur Verfügung stellt, widmeten sich mehrere Vorträge. Sie dient als Masterliste für interoperable Lösungen zur revisionssicheren elektronischen Langzeitarchivierung, für Auswertungen, auch mit Hilfe von Terminologie-Services und für die standardisierte und strukturierte Distribution über den neuen Standard FHIR. Praxisbeispiele von DMI und Cerner illustrierten die Vorteile bei der Zusammenarbeit von Krankenhäusern mit dem MDK Sachsen.

Den Gustav-Wagner-Posterpreis erhielt in diesem Jahr das Team um Saskia Knopf vom Universitätsklinikum Eppendorf. In zwei Postern zeigten sie die Entwicklung des Psoriasisregisters „PsoBest“. Zweite Preisträgerin wurde Nataliia Nizhegorodtseva von der Medizinischen Hochschule Hannover mit dem Beitrag „Harmonisierung von Basisdaten zu Bioproben“.

Und die künftigen Angebote des DVMD? Das nächste DVMD-Frühjahrssymposium findet am 23. März 2020 im München statt, die nächste Fachtagung wird Ende Februar 2021 in Leipzig wichtige Updates bringen. Jetzt schon vormerken.

Quelle Text und Bild: DVMD