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Gesundheitsreport 2021 analysiert Versorgung der Erwerbstätigen während der Pandemie

(Dezember 2021) Nach den Erfahrungen aus der Pandemie ist die große Mehrheit von über 80 Prozent der Erwerbstätigen bereit, sich eine Krankschreibung über ein ärztliches Telefonat oder eine Videosprechstunde zu holen. Das zeigt der aktuelle DAK-Gesundheitsreport „Corona-Krise und Digitalisierung“.

Der DAK-Report „Corona-Krise und Digitalisierung“, der vom Berliner IGES Institut durchgeführt wurde, zeigt, wie gut die Beschäftigten durch die Corona-Krise gekommen sind und was sich aus der Pandemie für ein digitaleres Gesundheitssystem lernen lässt. Dafür wurden anonymisierte Daten von über 2,4 Millionen erwerbstätigen DAK-Versicherten ausgewertet und rund 7.000 erwerbstätige Frauen und Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren durch das Forsa-Institut repräsentativ befragt. So wirkte sich beim Zugang zur ambulanten medizinischen Versorgung die Pandemie nicht auf alle Beschäftigten gleich stark aus. So gab es beispielsweise einen besonders deutlichen Rückgang an Arztkontakten (minus 28 Prozent) im März und April 2020 bei Erwerbstätigen mit komplexen chronischen Erkrankungen. Zu diesem Typ zählt der Report alle, die dauerhaft wegen mindestens einer schwerwiegenden Erkrankung in Behandlung und jedes Jahr mindestens 21 Tage oder mindestens fünf Mal krankgeschrieben sind. Verschiebbare Leistungen, zum Beispiel zur Früherkennung, nahmen hingegen alle Erwerbstätigen gleichermaßen wenig in Anspruch. Im Bereich Vorsorge gab es 2020 bei der DAK-versicherten Erwerbstätigen einen Rückgang um bis zu 73 Prozent im Vergleich zu 2018 und 2019.

17 Prozent haben trotz Krankheit auf einen Arztbesuch verzichtet

Zu Beginn der Pandemie reagierten die Beschäftigte in Deutschland sehr deutlich auf die veränderte Versorgungssituation. Sie waren seltener bei ihrem behandelnden Arzt oder ihrer Ärztin in der Praxis: Die Anzahl der Arztkontakte lag im Frühjahr 2020 um mehr als ein Fünftel unter dem Niveau der Vorjahre (minus 22 Prozent)). Jeder und jede sechste Beschäftigte verzichtete trotz Krankheit und dem Wunsch nach ärztlichem Rat auf einen Praxisbesuch.

Vor dem Hintergrund, dass Praxisbesuche 2020 zeitweise mit besonderen Hürden verbunden waren, kam es verstärkt zu einer telematischen Versorgung der Erwerbstätigen. So verfünffachten sich ab Anfang März 2020 die telefonischen Arztkontakte der DAK-versicherten Erwerbstätigen gegenüber den beiden Vorjahren. Ab der zweiten Märzhälfte 2020 stiegen auch die Arztkontakte per Videosprechstunde erkennbar an und verdoppelten sich innerhalb von zwei Wochen. „Videosprechstunden können vor allem für Kontrolltermine und für die Besprechung von Befunden eine angemessene Alternative zur persönlichen Vorstellung in der Arztpraxis darstellen stellen – bei sehr guter Vereinbarkeit mit den Arbeitszeiten der Erwerbstätigen“, so Storm.

Auch die Sonderregelung zur telefonischen Krankschreibung schätzen die Erwerbstätigen, vor allem den Wegfall des Ansteckungsrisikos (81 Prozent). „Zu Recht“, befindet Andreas Storm. „Eine Ansteckungsgefahr besteht ja nicht nur bei Corona, sondern auch bei anderen Infektionskrankheiten. Auch wenn Magen-Darm-Infekte beispielsweise nicht so gravierend sind, müssen auch hiervor Praxispersonal und andere Patientinnen und Patienten geschützt werden.“

Zeitersparnis ist für Berufstätige ebenfalls ein wichtiges Argument für die Telefon-AU – zumal viele nur wegen der Krankschreibung überhaupt den Arztkontakt suchen. Vier von zehn geben an, beim letzten Mal nur wegen einer Krankschreibung in der Praxis gewesen zu sein. „Wir wissen es auch aus früheren Studien: Ein erheblicher Teil der bei uns in Deutschland sehr hohen Zahl von Arztkontakten ist darauf zurückzuführen, dass die Menschen für ihren Arbeitgeber eine Krankschreibung benötigen“, betont Storm. „Es sollte in Zukunft leichter sein, auch digitale Kommunikationswege zu wählen, die es dem Arzt oder der Ärztin erlauben, sich ein Bild über die Notwendigkeit einer Krankschreibung zu machen.“

Als Nachteil einer rein telemedizinischen Konsultation sieht die große Mehrheit der befragten Erwerbstätigen, dass möglicherweise ernst zu nehmende Beschwerden unentdeckt bleiben und Krankheiten verschleppt werden könnten. Zudem befürchten 62 Prozent einen Missbrauch zum Blaumachen. Bei einer Krankschreibung nach Videosprechstunde sehen weniger Beschäftigte dieses Risiko (54 Prozent). Videosprechstunden könnten aus Sicht der Erwerbstätigen weiter zu einem digitalen Gesamtangebot ausgebaut werden: Möglichkeiten wie eine Onlineterminvereinbarung, elektronische Rezepte zu bekommen oder digitale Überweisungen an Facharztpraxen würden die Videosprechstunde zusätzlich attraktiv machen.

„Die stärkere Nutzung von telematischen und digitalen Ansätzen ist wichtig für eine zielgenauere Versorgung, gerade im ambulanten Bereich. Moderne Lösungen gehen mit der Chance einher, dass die knappen Ressourcen unseres Gesundheitswesens – beispielsweise persönliche Arztkontakte und Praxisbesuche – verstärkt denjenigen zugutekommen, die diese besonders benötigen. Besonders gefährdete Gruppen werden auch vor Infektionen geschützt, wenn Menschen mit unkomplizierten Akuterkrankungen auf Videosprechstunde und andere Möglichkeiten ausweichen“, so Storm. „Für die Zeit nach der Pandemie ist es sinnvoll, verstärkt auf die Krankschreibung per Videosprechstunde zu setzen.“

Der Gemeinsame Bundesausschuss ermöglicht die Tele-Krankschreibung im Rahmen der Pandemie noch bis März 2022.

Quelle Text und Bild: DAK Gesundheit

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