Preis für Patientensicherheit in der Medizintechnik

VDE - Logo(August 2016) Gleich zwei Arbeiten haben die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (VDE|DGBMT) und das Aktionsbündnis für Patientensicherheit mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Christiane Haupt vom Universitätsklinikum Freiburg und Christoph Hoog Antink vom Lehrstuhl für Medizinische Informatik an der RWTH Aachen erhalten jeder 3000 Euro. Sie tragen mit ihren Arbeiten erheblich zur Patientensicherheit bei.

Christiane Haupt untersuchte in ihrer Dissertation “A Model-Based Product Evaluation Protocol for Comparison of Safety-Engineered Protection Mechanisms of Winged Blood Collection Needles” die Handhabung verschiedener Sicherheitsmechanismen von Flügelblutentnahmesystemen. Trotz der Einführung von Stichverletzungs-Sicherheitsmechanismen stellen Nadelstichverletzungen nach wie vor eine erhebliche Gefahr für medizinisches Personal dar. Haupt zeigte, dass es signifikante Unterschiede in der Bedienung und Anwendung unterschiedlicher Sicherheitsmechanismen bei Flügelblutentnahmesystemen gibt. In ihrer Studie führten 33 unerfahrene Medizinstudierende des 3. Studienjahres am Universitätsklinikum Freiburg die Blutentnahme mit vier Flügelblutentnahmesystemen mit unterschiedlichen Sicherheitsmechanismen am Modell „IV Arm Model, Leardal“ durch. Für eine detaillierte Auswertung filmte die Preisträgerin die Venenpunktionen mittels Kamerasystem aus drei unterschiedlichen Perspektiven. Das Ergebnis: Es gibt entscheidende Unterschiede in der Anwendung verschiedener Stichschutzmechanismen von Flügelblutentnahmesystemen – auch in der Sicherheit für Anwender und Patienten.

Den zweiten ersten Preis erhielt Christoph Hoog Antink vom Lehrstuhl für Medizinische Informationstechnik an der RWTH Aachen für seine Veröffentlichung „Reducing False Alarms in the ICU by Quantifying Self-Similarity of Multimodal Biosignals“. Er untersuchte die Reduktion von falschen Arrhythmiealarmen auf der Intensivstation. Klassischerweise werden diese Alarme aus dem Elektrokardiogramm (EKG) generiert. Ist das EKG gestört, kann es auch Alarm auslösen, wenn der Patient keine Herzrhythmusstörungen aufweist. Die manchmal sehr lauten Fehlalarme wirken sich negativ auf das Wohl der Patienten, aber auch auf das Wohl des Krankenhauspersonals aus: Die Schlafqualität sinkt und die Krankenhausaufenthalte verlängern sich. Für das Personal bedeuten die Fehlalarme eine höhere Arbeitsbelastung. Gleichzeitig steigt die Reaktionszeit auf einen gerechtfertigten Alarm. In seiner Veröffentlichung analysiert Christoph Hoog Antink mit Methoden der Sensorfusion neben dem EKG gleichzeitig Signale wie beispielsweise die Blutdruckkurve. Durch diese gemeinsame Auswertung kann das Krankenhauspersonal messtechnisch gestörte Signale besser von durch Krankheit veränderten unterscheiden. Durch die Integration in Patientenmonitore erhöht der Preisträger die Patientensicherheit auf der Intensivstation deutlich.

Quelle Text: vde

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